Traumdomizil Usedom


Seeadlerprojekt

Usedom als Brut- und Überwinterungsgebiet für den Seeadler

Der Bereich des Oderhaffs, der Peenestrom und das Achterwasser bei Usedom gehört schon seit alters her zu den wichtigsten Brut- und Überwinterungsgebieten des Seeadlers in Deutschland. Insbesondere in strengen Wintern, wenn im Binnenland die Seen zugefroren sind, ziehen viele Seeadler aus Deutschland, aber auch aus Skandinavien in diese Gegend, da sie hier noch offene Wasserflächen und somit die Möglichkeit sich zu Ernähren finden. Der Brutbestand an Seeadlern hat wie im übrigen Ostseeraum auch auf Usedom erfreulich zugenommen. So brüten heute wieder 15 bis 18 Brutpaare des Seeadlers regelmäßig auf Usedom. Aufgrund der nahrungsreichen Gewässer um Usedom (insbesondere Achterwasser) existieren mehrere Schlafgemeinschaften unausgefärbter und nicht brütender Seeadler. Usedom ist vermutlich als Lebensraum für die Nicht-Brüter Population von Seeadlern sehr wichtig. Tiere aus dieser "Populationsreserve" ersetzten fehlende Brutvögel und gewährleisten den hohen Bruterfolg der Seeadlerpopulation in Deutschland. Im Jahr 2009 gab es 18 Revierpaare auf Usedom, von denen nur 7 Paare erfolgreich gebrütet haben. Sechs Seeadlerpaare haben erst gar nicht mit der Brut begonnen. Die Fortpflanzungsziffer (ausgeflogene Jungvögel pro begonnener Brut) lag bei 0,75 Nestlingen. Der Bruterfolg lag bei 0,71. Möglicherweise ist dieser geringe Reproduktionserfolg auf intensive Störungen durch Menschen oder Artgenossen zurückzuführen.

In einem mehrjährigen Projekt soll die Bedeutung Usedoms als Brut- und Überwinterungsgebiet für Seeadler erfasst werden und das Phänomen der Schlafgemeinschaften von Seeadlern untersucht werden. Zudem soll eine Datengrundlage geschaffen werden, um die Insel Usedom langfristig für den Seeadler attraktiv zu halten.

Ein besonderes Augenmerk soll dabei zunächst auf dem Gnitz liegen, um anschließend den Peenemünder Haken und die dem Achterwasser zugewandte Inselseite auf die Bedeutung für den Seeadlerschutz zu untersuchen.

Folgende Fragestellungen ergeben sich dabei:

    1. Wie groß sind die Lebensräume ausgewählter Seeadler in unterschiedlichen Arealen Usedoms?
    2. Wie viele Seeadler nutzen gemeinsame Schlafplätze auf Usedom?
    3. Wie hoch ist die Winterpopulation von Seeadlern auf Usedom und lassen sich regelmäßig überwinternde Seeadler aus Skandinavien
        nachweisen?
    4. Bietet die Insel Usedom genügend ungestörte Bereiche für die Seeadlerpopulation trotz eines wachsenden Tourismus?

Methodik

    Zu 1) Fang und Besenderung von einem oder beider Brutvögel. Analyse der Lebensraumgröße und Habitatnutzung.
    Zu 2) Erfassung der Schlafgemeinschaften und deren Größe.
    Zu 3) Synchronzählungen von Seeadlern auf Usedom im Winter. Anlage von bis zu drei Winterluderplätzen zur synchronen Erfassung
             überwinternder Adler.
    Zu 4) Die vorhandenen Brutplätze werden kartiert und deren Entfernung zu häufig frequentierten Straßen und Wege erfasst. An ausge-
             wählten Standorten werden Personen- und Fahrzeugzähler installiert, um die potentiellen Störungen durch Menschen zu erfassen.

Alle Fragestellungen lassen sich methodisch sicherer auf der Grundlage im "Feld" erhobener Daten, insbesondere durch aufwendige Sichtbeobachtungen beantworten. Sowohl die oben genannten Fragestellungen, wie auch mögliche genetische Untersuchungen zur Anzahl der überwinternden Seeadler anhand von Mauserfedern sind sehr aufwendig und ließen sich durch eine finanzierte Diplom- /Doktorarbeit realisieren.

Zu erwartende Ergebnisse

Die Ergebnisse sollen die genannten Fragestellungen so weit wie möglich beantworten. Konkret werden folgende Ergebnisse zu erwarten sein:

    Zu 1) Kartographische Darstellung der Lebensraumgröße und Habitatnutzung.
    zu 2) Anzahl und Größe der Seeadlerschlafgemeinschaften
    Zu 3) Daten und Hochrechnungen zur Anzahl überwinternder Seeadler auf Usedom.
    Zu 4) Korrelation zwischen ausgesetzter bzw. abgebrochener Brut und möglichen anthropogen bedingten Störungen.

Die Ergebnisse sollen langfristig dazu genutzt werden, die Seeadlerpopulation trotz eines stetig wachsenden Tourismus auf der Insel Usedom zu bewahren und ein "Nebeneinander" von naturinteressierten Menschen und dieser charismatischen Vogelart zu ermöglichen. Bei genauer Kenntnis der durch die Seeadler genutzten Räume lassen sich auch artenschutzverträgliche Beobachtungsmöglichkeiten einrichten.



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